Wir brauchen ein Umdenken in der Drogenpolitik

Dieser Artikel wurde am 27. September im Luxemburger Wort veröffentlicht als Teil einer Pro/Kontra Debatte zur Legalisierung von Cannabis. PDF-Version.

Die Einwohner von Uruguay haben’s leicht: Seit Ende August kann sich jede und jeder Volljährige in eine Liste eintragen lassen und darf fortan zu Hause selber Marihuana anbauen und dieses dann auch selbst rauchen, bis zu 480 Gramm pro Jahr.1 Früher kam man für diese Menge ins Gefängnis. Nach Jahrzehnten kommt die Wende in der Drogenpolitik: Uruguay wendet dem Krieg gegen die Drogen den Rücken zu. Viel zu lange hat dieser in Lateinamerika gewütet, die Kosten dafür waren viel zu hoch, der Krieg nicht zu gewinnen. Und Uruguay steht nicht alleine da: Andere Länder wie Argentinien, Peru, Paraguay und Mexiko haben Drogen ebenfalls größtenteils entkriminalisiert.2 Man müsse neue Signale senden, die Realität verwalten statt sie zu verbieten, das ist die Nachricht der linken Regierung um José Mujica in Uruguay. Auch in den USA wird in immer mehr Bundesstaaten Cannabis entkriminalisiert oder zu medizinischen Zwecken freigegeben.3

Und in Europa? In lediglich einem Land (den Niederlanden) ist Cannabis de facto legalisiert, in neun weiteren ist es entkriminalisiert oder toleriert.4 Alle anderen EU-Mitgliedsstaaten gehen weiterhin repressiv gegen Cannabis vor, darunter auch Luxemburg. Der European Drug Report geht davon aus, dass 21,7% der 15-64-Jährigen aus Europa in ihrem Leben schon einmal Cannabis konsumiert haben5. Das entspricht 73,6 Millionen Menschen, während sich die Zahl der Konsumenten im letzten Jahr auf 18,1 Millionen (5,3% der Erwachsenen) beläuft. Die Global Drug Survey spricht sogar von einer höheren Zahl von Cannabiskonsumenten als von koffeinhaltigen Energydrinks.6 Keine Frage: Durch Kriminalisierung lässt sich der Cannabiskonsum nicht aus der Gesellschaft verbannen. Im Gegenteil, Cannabis wird seit über 5000 Jahren geraucht und gehört zu der Gesellschaft.7

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  1. Al Jazeera 03.05.2014: Uruguay unveils marijuana regulation details []
  2. Drug Law Reform in Latin America: Drug Law Reform on the Map []
  3. Wikipedia: Legality of cannabis by US state []
  4. Wikipedia: Legality of Cannabis by country []
  5. EMCDDA – Europäischer Drogenbericht 2014, S. 14 []
  6. The Global Drug Survey 2014: Findings []
  7. MPP – Marijuana Policy Project: Frequently Asked Questions []

Wisou eng Dräierkoalitioun legitim ass

3er Koalitioun: Mat Ach und Krach zesummegefléckt?
3er Koalitioun: Mat Ach und Krach zesummegefléckt? © Gambia Koalitioun Lëtzebuerg

(Disclaimer: Ech hunn mat der Facebook-Säit “Gambia Koalitioun Lëtzebuerg” näischt ze dinn, ech hunn just nogefrot ob ech d’Coverfoto fir de Blogpost notze kéint)

Eigentlech wollt ech mech net zum Thema Dräierkoalitioun äusseren. An ech maachen et awer, well ech gesinn, dass deelweis polemesch an verzweiwelt argumentéiert gëtt. Ech probéieren op déi gängeg Commentairen anzegoen an se ze widderleeën.

Dass d’CSV net an der Regierung ass, ass géint de Wielerwëllen!

Wann den 20. Oktober um Stëmmziedel gestan hätt: “D’CSV muss an d’Regierung, Jo oder Nee” an eng Majoritéit vun de Leit hätt mat “Jo” ofgestëmmt, wier dat effektiv de Fall. Dann wier eng Rout-Blo-Gréng Koalitioun1 absolut géint de Wielerwëllen. Mä wat ass “Den Wielerwëllen” dann iwwerhaapt? Ech fannen et enorm schwéier, dat genau ze definéieren, besonnesch an engem Wahlsystem wou ee panaschéieren kann. Et ginn nämlech ëmmer manner Lëschte gewielt, den Trend ass säit 1979 ofhuelend, während tëscht de Parteien ëmmer méi panaschéiert gëtt.2 Dat bedeit also dass d’Stëmmen tëscht de Parteien opgedeelt ginn an dass sou déi meescht Leit keng eenheetlech Meenung hunn, mä verschidde Stréimungen a Parteien ënnerstëtzen. Mä doriwwer eraus ass et sou, dass de “Wielerwëllen” eng Generaliséierung ass, mä ee vun engem Individuum net onbedéngt op e Kollektiv schléisse kann (vgl “individualistischer Fehlschluss”). Dass et keen eenheetlechen Wielerwëlle gëtt, kann ee ganz gutt dorun erkennen, dass eng hëtzeg Debatt iwwert Dräierkoalitioun entfacht ass, an dass d’Vollek quasi an zwee gespléckt ass.

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  1. Ech ënnerloossen de Begrëff “Gambia-Koalitioun” opgrond vun negativen Connotatiounen, besonnesch well  am Gambia d’Mënscherechter oft verletzt ginn; Als Lecture: “Gambian president says gays a threat to human existence“ []
  2. Dumont, Patrick/Fehlen, Fernand/Poirier, Philippe, 2008: Parteiensystem, politische Parteien und Wahlen, in: H. Lorig, Wolfgang/Hirsch, Mario (Hrsg.), Das politische System Luxemburgs. Eine Einführung. Wiesbaden:VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 159. []

Politik, ein Männerfeld

Als ich zum ersten Mal wählen durfte und meine Mutter um Rat gefragt habe, meinte sie, wenn ich unentschlossen sei, solle ich doch junge KandidatInnen wählen, bevorzugt Frauen. Auf die Frage hin, warum sie das denn empfehle, meinte sie, dass Frauen generell in der Politik äußerst unterrepräsentiert seien und sich nicht genügend für die Rechte der Frauen eingesetzt wird. Ihren Rat im Hinterkopf haltend, habe ich 2005 schließlich das erste Mal meine Kreuze gemacht.

Faktencheck

Seitdem beschäftigt mich das Thema Gleichstellung und -behandlung von Mann und Frau. Stimmt das, was meine Mutter mir vermitteln wollte? Sind Frauen effektiv unterrepräsentiert?

Sieht man sich die aktuelle Regierung an, so stellt man fest, dass in Luxemburg von insgesamt 13 Ministern lediglich 4 weiblich sind aber 9 jedoch männlich. Dies entspricht einer Quote von 30,77%! Aber auch ein Blick ins Abgeordnetenhaus verdeutlicht die nicht-proportionale Verteilung zwischen Mann und Frau: Hier sind von insgesamt 60 Abgeordneten nur 13  Parlamentarierinnen und stolze 47 Parlamentarier zu finden, oder um es mit Quoten auszudrücken: 21,67% aller Abgeordneten sind weiblich. Graphisch lässt sich die männliche Dominanz bei der Volksvertretung noch plakativer darstellen:

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