Eurovision: Transnationale, queere Liebe


Bereits im Vorfeld vom Eurovision Song Contest musste Conchita Wurst sich mit homo- und transphober Kritik auseinandersetzen, doch als die österreichische Künstlerin die Bühne betrat und ihren Song “Rise like a phoenix” anstimmte, war man wie weggeblasen. Alles stimmte: Der Song, das Outfit, die Show und vor allem: Die Stimme. Verblasst sind alle homo- und transphobe Stimmen vor dem Eurovision, vergessen alle Diskussionen um den Bart.

Conchita Wurst, die mit ihrem Nachnamen deutlich machen will dass “es eben ‚wurst‘ ist, woher man kommt und wie man aussieht” [1] beweist mit ihrem Auftritt künstlerische Größe und überzeugt schließlich auch die Menschen aus den verschiedenen Ländern: Insgesamt 290 Punkte konnte sie erzielen, 23 der 37 Länder gaben ihr 8, 10 oder 12 Punkte und katapultierten die Österreicherin somit auf den ersten Platz. Die Menschen in Europa zeigen, dass es ihnen auch “wurst” ist, wie die Künstler*innen aussehen.

Wir sollten uns vielleicht öfter daran erinnern, wie geil Europa eigentlich ist: So viele verschiedene Länder mit verschiedenen Sprachen und Kulturen bringen es fertig zusammen ein großes Musikfest zu feiern und politische Aktualität gerät bis auf ein paar deplatzierte Buhrufe gegen Russland in den Hintergrund. Die Verbundenheit zwischen den verschiedenen Nationen spiegelt die eigentliche Grundidee der Europäischen Union wieder, doch hört diese Verbundenheit nicht bei den Grenzen der EU auf, sondern greift um sich und wird zu einer transnationalen, queeren Liebe, in der Geschlecht, Sexualität, Herkunft, Religion oder Kultur keine Rolle mehr spielen.

Auftritte wie die von Conchita Wurst helfen die alten homo- und transphoben Strukturen zu durchbrechen und legen Grundsteine für eine gesellschaftliche Veränderung, für eine Gesellschaft, die alle Menschen einschließt und wo es auch wirklich “wurst” ist, woher man kommt und wie man aussieht. Eine Gesellschaft, in denen es nicht mehr nötig ist, sich als homo-, bi- oder transsexuell zu outen und in denen man als Mensch wahrgenommen wird, wie man ist und wie man sich fühlt. Die vielen Stimmen für Conchita Wurst haben die Richtung in eine solche Gesellschaft gezeigt. Danke Europa für diese schöne Erfahrung.

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  1. Der Standard: Chat mit Conchita Wurst, 24. April 2014 []

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