Politik, ein Männerfeld

Als ich zum ersten Mal wählen durfte und meine Mutter um Rat gefragt habe, meinte sie, wenn ich unentschlossen sei, solle ich doch junge KandidatInnen wählen, bevorzugt Frauen. Auf die Frage hin, warum sie das denn empfehle, meinte sie, dass Frauen generell in der Politik äußerst unterrepräsentiert seien und sich nicht genügend für die Rechte der Frauen eingesetzt wird. Ihren Rat im Hinterkopf haltend, habe ich 2005 schließlich das erste Mal meine Kreuze gemacht.

Faktencheck

Seitdem beschäftigt mich das Thema Gleichstellung und -behandlung von Mann und Frau. Stimmt das, was meine Mutter mir vermitteln wollte? Sind Frauen effektiv unterrepräsentiert?

Sieht man sich die aktuelle Regierung an, so stellt man fest, dass in Luxemburg von insgesamt 13 Ministern lediglich 4 weiblich sind aber 9 jedoch männlich. Dies entspricht einer Quote von 30,77%! Aber auch ein Blick ins Abgeordnetenhaus verdeutlicht die nicht-proportionale Verteilung zwischen Mann und Frau: Hier sind von insgesamt 60 Abgeordneten nur 13  Parlamentarierinnen und stolze 47 Parlamentarier zu finden, oder um es mit Quoten auszudrücken: 21,67% aller Abgeordneten sind weiblich. Graphisch lässt sich die männliche Dominanz bei der Volksvertretung noch plakativer darstellen:

Aufteilung
Eigene Darstellung nach gouvernement.lu und chd.lu

Während Luxemburg  beim Global Gender Gap Report 2012 [1] auf Platz 36 liegt, findet man auf Platz 1 Kuba, wo immerhin 45% der Parlamentarierinnen und Parlamentarier weiblich sind. Den letzten Platz teilen sich Yemen, Kuwait, Qatar und Saudi Arabien, wo keine einzige Frau im Parlament ist. Dies zeugt von einer weltweiten Unterrepräsentation von Frauen in der Politik.

Parlamentswahlen 2013

Bei den aufgrund des Koalitionsbruchs zwischen LSAP und CSV herannahenden (Neu-)Wahlen bietet sich die Gelegenheit, diese Unterrepräsentation zu rektifizieren. Denn immerhin sind ziemlich genau 50% der Bevölkerung weiblich. [2]

Insgesamt treten bei den Wahlen 540 Menschen auf 9 verschiedenen Listen an, davon jedoch nur 188 Frauen. Dies entspricht einer Quote von 34,81%. Parteiübergreifend stellt man fest, dass der Anteil weiblicher Kandidatinnen stark variiert:

Frauenanteil
Eigene Darstellung.

So lässt sich entnehmen, dass sowohl bei déi lénk wie auch bei déi gréng 29 der 60 KandidatInnen weiblich sind (48,33%). Bei der ADR sind es immerhin noch 24 Kandidatinnen (40%), bei der PID 23 (38,33%) und bei den Kommunisten (KPL) sind es nur noch 20 Kandidatinnen (33,33%). Die Regierungsparteien CSV und LSAP befinden sich mit 19 (CSV, 31,67%) bzw 16 (LSAP, 26,67%) Kandidatinnen nur noch im Mittelfeld. Schlusslicht bilden die Demokraten DP mit 15 Kandidatinnen (25,00%) und die Piratepartei mit insgesamt 13 Anwärterinnen (21,67%).

Sieht man sich die einzelnen Wahlbezirke parteiübergreifend an, kommt man zu folgendem Ergebnis:

Wahlbezirk
Eigene Darstellung.

Während die Quote der Kandidatinnen im Zentrum am höchsten ist und bei 38,62% liegt, ist der Süden, wo immerhin 34,30% der Kandidatinnen und Kandidaten weiblich sind, nicht weit entfernt. Im Osten und im Norden liegen die Quoten mit ungefähr 30% in etwa gleichauf.

Fazit

Während in der letzten Legislaturperiode die weibliche Repräsentation sowohl im Parlament als auch in der Regierung weit unter 50% lagen, bieten die herannahenden Wahlen die Chancen dies zu ändern. Einige Parteien wie déi lénk und déi gréng versuchen mit quotierten KandidatInnenlisten diese Ungleichheit zu bekämpfen und auch viele Parteien haben Gleichstellung und -behandlung von Frau und Mann im Wahlprogramm stehen. Wie das Parlament jedoch aussehen wird, hängt ausschliesslich vom Wähler ab. Dass in Sachen Gleichbehandlung und -stellung noch viel zu tun ist, steht jedoch außer Frage.

Disclaimer:
Die Kandidatinnen und Kandidaten wurden alle per Hand gezählt, alle Angaben sind also ohne Gewähr.

Nachtrag (15/09/2013)

Beim Stöbern in den Statistiken von statec.lu (S. 21) bin ich auf interessante Zahlen gestoßen, die untermauern, dass die strukturelle Unterrepräsentation von Frauen in Luxemburg Tradition hat.

history
Eigene Darstellung nach statec.lu [3]

Wie man unschwer erkennen kann, ist der Frauenanteil im Parlament stets unter 25%, während die Männerdominanz geradezu grotesk wirkt.

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  1. World Economic Forum: Global Gender Gap Report 2012, S. 55; Online unter: http://www3.weforum.org/docs/WEF_GenderGap_Report_2012.pdf []
  2. Eigene Berechnung nach statec.lu []
  3. Aufgrund von inner-parlamentarischen Fluktuationen stimmen die 20% von 2009 nicht mehr mit den aktuellen Zahlen überein. []

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